Europa - nüchtern betrachtet
Menschenrechte, Ausgleich von Sozialstaat und Kapitalismus, Rechte der Natur, Frieden für die Welt - das alles wird das Vereinigte Europa bringen. So die linken Wortführer wie Jürgen Habermas in Deutschland, Tony Judt in Großbritannien oder Jeremy Rifkin in den USA.
Dem stellte unlängst ( im "London Review of Books" vom 20.9.) der bedeutende amerikanische Historiker Perry Anderson ein nüchterne Bestandsaufnahme gegenüber:
- Die Währungsunion hat nichts gebracht, eher geschadet. In Ländern, wie Dänemark und Schweden, die nicht den Euro einführten, war das Wirtschaftswachstum höher als in der Euro-Zone.
- Wann immer eine weitere Integration anstand, wurde sie von der Bevölkerung abgelehnt. Die EU macht dessen ungeachtet weiter wie bisher. Aus der »Europäischen Verfassung« die das Volk nicht wollte, wird nun ein»Vertrag« (der dem Volk zur Abstimmung nicht mehr vorgelegt werden muss).
- Die EU bleibt weiterhin nicht demokratisch organisiert: das Europäische Parlament ist und bleibt * Die von den Briten vorgemachte Brutalisierung des Geschäftsverkehrs greift auf inzwischen ganz Europa über.
- die Zurückhaltung der Europäer im Irak-Krieg war eine Täuschung der Öffentlichkeit: Im Hintergrund hätten alle mitgemacht. Deutschland beispielsweise durch die Organisation der Fluglogistik.
- Den Beitritt der Türkei forciert die USA aus rein strategischen Erwägungen. Die europäische Identität ist den Amerikanern gleichgültig und die EU ist zu feige, diese zu verteidigen.