Hilflos
Dieser Tage hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorfer gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der maroden Mittelstandsbank IKB (Industriekreditbank) Anklage wegen Untreue erhoben. Doch es geht um Kleinigkeiten: Ortseifen soll in sein Wohnhaus, das der Bank gehört, unrechtmäßig 120 000 Euro investiert und vier teure Lautsprecherboxen, die er privat nutzte, über die Bank abgerechnet haben.
Das sind lächerliche Vorwürfe, angesichts des Schadens, den der Mann wirklich angerichtet hat: nämlich 10 Milliarden Euro!
Der Vorgang wirft aber auch ein bezeichnendes Licht auf die Raffgier führender Wirtschaftsmanager: Ortseifen bezog ein Jahresgehalt von 1 597 000 Euro. Davon konnte er sich offensichtlich keine Lautsprecherboxen leisten. Inzwischen bezieht er eine Pension von 31 500 Euro im Monat.
Als das Desaster der Bank sich schon abzeichnete, bekamen Ortseifen und seine Vorstandskollegen einen »Erfolgsbonus« von zusammen 6,837 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat (!) begründete diese Prämie mit der »persönlichen Leistung« des Vorstands und den »Zukunftsaussichten für die Bank«.
Die Zukunftsaussichten bestanden in einem Verlust von über 10 Milliarden Euro!
Der gleiche Aufsichtsrat, dem auch Vertreter der Bundesregierung angehören, hat später gegen den Vorstand der IKB keinen Schadensersatz geltend gemacht: wie es heißt, weil man fürchtete, in einem Prozess würden Mißstände bekannt und das Versagen des Aufsichtsrats offensichtlich.
Hintergrund
Die IKB war vom Staat gegründet worden, um den Mittelstand mit günstigen Krediten zu versorgen. Beherrscht wurde sie von der Staatsbank »KfW« (Kreditanstalt für Wiederaufbau), in derem Aufsichtsrat Politiker aller Couleur sitzen. Vorsitzender des Aufsichtsrats waren Steinbrück (SPD), später Glos (CSU).
Sie alle wollen nichts von den windigen Geschäften der IKB gemerkt haben:
So hat die IKB über Strohmänner eine amerikanische Stiftung mit dem Namen »Rhineland Funding« gegründet. Diese Stiftung hatte ein Kapital von ganzen 500 (!) Dollar. Hat aber im Auftrag der IKB ein gewaltiges Rad gedreht und Kredite in Höhe von 13 Milliarden Euro vergeben. Zehn Milliarden davon sind weg.
Die Stiftung wurde von der IKB allein deshalb gegründet, um die strengen Buchhaltungsregeln, die für deutsche Banken gelten, zu umgehen. Das alles kann man nur noch als kriminell bezeichnen.
Eine Frage ist bisher unbeantwortet: Warum staatliche Stellen, Minister und hohe Beamte, solche »Geschäfte« zugelassen haben.
Hier müssen die Staasanwaltschaften ansetzen, nicht bei den lächerlichen Lautsprecherboxen des Herrn Ortseifen.